Von Massimo Köstl-Lenz, Sportwissenschaftler, Leistungsdiagnostiker und Trainer fürAusdauertraining bei MKL Training
Warum Intervalltraining im Ausdauersport so wirksam ist
Intervalltraining ist ein zentrales Werkzeug im Ausdauersport. Es bringt dich gezielt in intensive Belastungsbereiche, fordert deine Sauerstoffaufnahme und hilft dir, hohe Intensitäten besser zu verarbeiten.
Für Triathlon, Laufen, HYROX und andere Ausdauerdisziplinen ist genau das entscheidend: Du musst Belastung aufnehmen, kontrollieren und wiederholen können. Ein einzelner harter Abschnitt macht noch keinen starken Wettkampf. Entscheidend ist, wie stabil du Leistung über Zeit abrufen kannst.
HIIT setzt genau dort an. Intensive Intervalle fordern dein Herz-Kreislauf-System, deine Atmung, deine Muskulatur und deine Fähigkeit, Energie bereitzustellen. Je nach Ziel können Intervalle deine VO₂max, deine Tempohärte, dein Pacing und deine Belastungstoleranz verbessern.
Der spannende Punkt: Gleiche Intervalle fühlen sich bei verschiedenen Sportlern oft völlig unterschiedlich an. Einer kämpft mit der Atmung. Ein anderer hat schwere Beine. Ein dritter kommt gut durch, erholt sich aber langsamer als erwartet. Genau diese Unterschiede machen Intervalltraining so interessant – und so anspruchsvoll in der Steuerung.

Variable oder konstante Intervalle: Die Frage hinter meiner Studie
Variable oder konstante Intervalle – was verbessert unsere Ausdauer wirklich?
Variable Intervalle arbeiten mit wechselnden Intensitäten. Dazu gehören zum Beispiel
Mikrointervalle, Leistungsspitzen oder Abschnitte mit bewusst veränderter Belastung. Konstante Intervalle bleiben innerhalb eines Intervalls gleichmäßiger. Ein klassisches Beispiel sind mehrere Minuten bei einer festgelegten Leistung oder Intensität.
In meiner Studie wurden zwei HIIT-Protokolle verglichen: ein variables Protokoll mit wechselnden Intensitäten und ein konstantes Protokoll mit gleichmäßiger Belastung. Beide Varianten waren so angelegt, dass die geleistete Gesamtarbeit vergleichbar blieb. Das ist wichtig, weil sonst der Vergleich unsauber wäre.
Warum der Vergleich relevant ist
Viele Athleten suchen nach dem „besten“ Intervalltraining. 30/15er, 40/20er, längere VO₂max- Intervalle, klassische 4×5 Minuten, harte Spitzen, kontrollierte Belastung. Die Auswahl ist groß.
Für die Trainingspraxis zählt die Frage: Welche Form bringt dich weiter?
Genau darauf gibt es keine einfache Standardantwort. Die Studie zeigt: Der Durchschnittswert erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die individuelle Reaktion ist entscheidend.
Die Studie im Original lesen
Ich habe meine Forschung zum Thema HIIT & Intervalltraining im Ausdauersport wissenschaftlich aufbereitet. Wer Methodik, Daten und Ergebnisse im Detail lesen möchte, findet die vollständige Studie hier:
Was die Studie gezeigt hat
Im Durchschnitt zeigte sich kein eindeutiger Vorteil für variable oder konstante Intervalle. Beide Protokolle konnten intensive physiologische Reaktionen auslösen. Der größere Erkenntniswert lag auf individueller Ebene.
Einige Athleten verbrachten mehr Zeit nahe ihrer VO₂max. Andere zeigten stärkere Reaktionen in der Muskulatur. Manche reagierten auf das variable Protokoll stärker, andere auf das konstante.
Im Durchschnitt ähnlich – individuell sehr verschieden
Studien arbeiten oft mit Durchschnittswerten. Diese Werte sind wichtig, weil sie Muster sichtbar machen. Für dein eigenes Training reichen sie aber selten aus.
Wenn zehn Sportler dasselbe Intervalltraining absolvieren, kann der Mittelwert unauffällig aussehen.
Gleichzeitig können einzelne Athleten völlig unterschiedlich reagieren. Einer wird stark über Atmung und Herz-Kreislauf-System gefordert. Ein anderer erreicht die Grenze früher in der Muskulatur. Ein dritter kommt physiologisch in einen anderen Belastungsbereich, obwohl die Vorgabe gleich war.
Das bedeutet: Ein Trainingsplan kann wissenschaftlich sinnvoll sein und trotzdem nicht optimal zu dir passen.
Genau deshalb braucht gutes Ausdauertraining Prinzipien, Beobachtung und Anpassung. Der Plan gibt die Richtung. Deine Reaktion entscheidet, wie er weiterentwickelt wird.
Warum Sportler unterschiedlich auf Intervalle reagieren
Ausdauerleistung entsteht aus mehreren Systemen. Herz, Kreislauf, Atmung, Muskulatur,
Energieversorgung, Sauerstoffaufnahme und Sauerstoffnutzung arbeiten zusammen.
Wenn ein Intervall hart wird, kann die Grenze an unterschiedlichen Stellen entstehen. Genau das
spüren viele Sportler im Training, auch ohne Messgerät.
Wenn dich Herz, Kreislauf und Atmung limitieren
Manche Athleten spüren intensive Intervalle vor allem über die Atmung und das gesamte Herz- Kreislauf-System. Die Belastung fühlt sich dann so an, als würde der Motor insgesamt an seine Grenze kommen.
Typische Wahrnehmung: Die Atmung wird sehr hart, der Puls steigt stark, das gesamte System arbeitet am Limit. In der Studie wurde diese zentrale Belastung unter anderem über die Zeit nahe der VO₂max betrachtet.
VO₂max beschreibt, wie viel Sauerstoff dein Körper unter maximaler Belastung aufnehmen und verwerten kann. Sie ist ein wichtiger Leistungsmarker im Ausdauersport. Sie erklärt aber nicht alles.

Wenn dich die Muskulatur limitiert
Andere Athleten erleben harte Intervalle anders. Die Atmung bleibt noch kontrollierbar, aber die Beine werden schwer. Die Muskulatur macht zu. Die lokale Ermüdung ist deutlicher als das Gefühl, über das gesamte Herz-Kreislauf-System am Limit zu sein.
Hier wird die periphere Seite interessant: also das, was in der Muskulatur passiert. Dazu gehören Muskeloxygenierung, Sauerstoffnutzung und Mitochondrienfunktion.
Mitochondrien spielen eine zentrale Rolle in der aeroben Energieproduktion. Je besser dein Muskel Sauerstoff nutzen kann, desto stabiler kann er Leistung über längere Zeit bereitstellen. Genau deshalb sind sie für Ausdauertraining so relevant.

Warum VO₂max nicht alles erklärt
VO₂max ist wichtig. Schwellen, Pacing, Trainingsbereiche und muskuläre Reaktionen sind ebenfalls wichtig.
Die Studie zeigt, dass klassische Fitnesswerte allein die unterschiedlichen Reaktionen auf Intervalltraining nicht vollständig erklären. Die individuelle Reaktion hängt auch davon ab, wie dein Körper die Belastung verarbeitet und wo dein System zuerst an seine Grenze kommt.
Für Sportler ist das eine wertvolle Erkenntnis: Ein hoher VO₂max-Wert ist stark. Er ist aber nicht automatisch die vollständige Antwort auf gutes Training.
Was du daraus für dein Training ableiten kannst
Die wichtigste Ableitung: Es gibt keine Intervallformel, die für alle gleich gut passt.
Variable und konstante Intervalle können beide sinnvoll sein. Entscheidend ist, welches Ziel du verfolgst, wie dein Körper reagiert und wie das Training in deinen Gesamtprozess passt.
Variable Intervalle können hilfreich sein, wenn du hohe Sauerstoffaufnahme gezielt ansteuern willst und mit wechselnden Intensitäten gut umgehen kannst. Sie können Dynamik in das Training bringen und bestimmte physiologische Reize setzen.
Konstante Intervalle können sinnvoll sein, wenn du gleichmäßige Belastung, Pacing und kontrollierte Intensität trainieren willst. Sie helfen dir, ein Gefühl für stabile Leistung zu entwickeln und Belastung bewusst zu steuern.
Dein Körpergefühl ist dabei wichtig. Messdaten machen es präziser.
Wenn du nach einem Intervall regelmäßig das Gefühl hast, dass die Atmung explodiert, ist das eine andere Information als schwere Beine bei kontrollierter Atmung. Wenn deine Leistung stark abfällt, sagt das etwas anderes als stabile Wiederholungen bei sauberem Pacing. Wenn du dich schnell erholst, ist das ebenfalls ein Signal.
Gutes Training nimmt diese Signale ernst.
Wenn du aus diesen Erkenntnissen einen strukturierten Trainingsplan ableiten willst, findest du hier meine Coaching-Pakete für Ausdauertraining.
Wann Leistungsdiagnostik sinnvoll wird
Leistungsdiagnostik wird sinnvoll, wenn du genauer wissen willst, wie dein Körper auf Belastung reagiert.
Sie zeigt dir nicht nur einzelne Werte. Sie hilft dabei, dein Leistungsprofil besser zu verstehen:
VO₂max, Schwellen, Trainingszonen, Belastungsreaktion, Pacing und individuelle
Entwicklungsbereiche.
Gerade im Ausdauersport ist das wertvoll. Du erkennst, welche Intensitäten für dich relevant sind, wie du deine Intervalle sinnvoll steuerst und wo dein aktueller Trainingsschwerpunkt liegen sollte.
Mit moderner Leistungsdiagnostik lassen sich Trainingsbereiche genauer festlegen. Dadurch trainierst du nicht einfach härter, sondern gezielter. Du bekommst eine bessere Grundlage für Entscheidungen: Welche Intervalle passen gerade? Welche Intensität ist sinnvoll? Wo verlierst du Effizienz? Wie sollte dein nächster Trainingsblock aufgebaut sein?
Du willst wissen, wie dein Körper auf Belastung reagiert? Dann ist eine Leistungsdiagnostik der nächste sinnvolle Schritt.
Dein nächster Schritt: Diagnostik oder Coaching
Wenn du wissen willst, wo deine aktuellen Limits liegen, ist eine Leistungsdiagnostik der passende Einstieg.
Wenn du aus diesen Erkenntnissen ein strukturiertes Training machen willst, ist individuelles Coaching der nächste Schritt.
Wir starten mit Prinzipien. Und hören dann genau zu. Dein Ziel zählt. Dein Weg auch.
Massimo Köstl-Lenz ist Sportwissenschaftler, Leistungsdiagnostiker und Trainer für Ausdauertraining.
Bei MKL Training verbindet er Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung und individuelle Begleitung.


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